Presseberichte 2022

NÖN Artikel zu den Vorbereitungen zum Konzert „Die Schöpfung“ von Joseph Hadyn

Haag: „Die Schöpfung“ zum Finale von Chorleiter Wolf

Josef Penzendorfer

Michaela und Edgar Wolf: Zwei großartige Chorleiter mit viel Können und Herz. Foto Penz

Edgar Wolf beschließt mit der Aufführung der „Schöpfung“ nach fünf Jahrzehnten seine Chorleitertätigkeit. Tochter Michaela übernimmt den Chor Haag.

Alles dreht sich wieder (weiter)! Diesem Motto entsprechend hat der Chor Haag seine Probentätigkeit schon aufgenommen, sobald es die Pandemie-Vorschriften irgendwie erlaubten, sodass man sich derzeit gerade in den Endproben für eine große Aufführung von Haydns „Schöpfung“ befindet.

Während der Corona-bedingten „Generalpause“ gab es freilich auch viel Zeit zum Nachdenken über die Zukunft der seit 1886 bestehenden und ab 1971 von Edgar Wolf geleiteten Chorgemeinschaft. Und der künstlerische Leiter Edgar Wolf kam zu dem Entschluss, dass ab Juni seine Tochter Michaela Wolf den Chor übernehmen soll. Sie hat das Mozarteum absolviert und an der Bruckner-Uni Chorleitung studiert, sie hat auch im Salzburger Bach-Chor gesungen und ist als Musikpädagogin bei den Linzer Kreuzschwestern beschäftigt. Zudem leitet sie seit 2021 auch den OÖ Landesjugendchor.

Noch proben die fast 60 Sänger mit Michaela und Edgar Wolf für die Aufführung der „Schöpfung“ am 21. Mai in der Stadtpfarrkirche.
FOTO: Penz

Michaela Wolf bringt also beste Voraussetzungen für ihre neue Herausforderung mit, hat sie doch 20 Jahre lang auch große Jugendchorprojekte des Jugendhauses Schacherhof musikalisch betreut. „Mein Vater hat immer eine Vielfalt an Chormusik gepflegt und viele Sparten des Chorspektrums aufgegriffen. Er hat stets kreativ und überaus motiviert gearbeitet, sein Durchhaltevermögen habe ich immer schon bewundert. Er ist mir daher ein großes Vorbild und übergibt mir einen tollen Chor“, weiß Michaela das großartige musikalische Wirken ihres Vorgängers zu schätzen. Freilich will sie auch den ihr eigenen Stil und viel Esprit einbringen und ergänzt: „In jeder Stimme liegt viel Emotion, im Chorklang dann erst recht eine geballte emotionale Ladung. Es entsteht Harmonie – sowohl im Zusammenklingen wie auch im gesellschaftlichen Umgang miteinander, das schenkt viel Freude!“

Musikalischer Botschafter in ganz Europa

Mit einer großen Portion von Begeisterung zum Singen und einem hohen Maß an künstlerischer Kompetenz ist es dem ehemaligen Wiener Sängerknaben Edgar Wolf gelungen, alle Generationen zum chorischen Singen zu motivieren und seinen Sängern stets unvergessliche Erlebnisse zu schenken, sei es in der Mittelschule im Rahmen des von ihm gegründeten musischen Schwerpunktes gewesen oder bei den internationalen Chorbegegnungen im Rahmen von Festivals und Chorwettbewerben, bei Sängerfesten oder Konzerten mit Orchestern.

„Die Arbeit an der Stimme, das Eintauchen in die Musik, die Präsentation bei öffentlichen Auftritten waren mir immer wichtiges Anliegen“, erzählt der studierte Gesangspädagoge, der auch heute noch als gefragter Referent im In- und Ausland sein umfassendes Wissen weitergibt. Kinderchorfestivals wie „Juventus cantat“, das Österreichische Jugendsingen, die Gründung der Sinfonietta Haag im Jahr 2003, die Aktivitäten von „Chor plus“, die Mitwirkung im Musikbeirat des Österreichischen Sängerbundes und Chorverbands NÖ, in der Chorleiterausbildung der Chorszene, bei Familien- und Jugendsingwochen sowie diverse Chorleitertätigkeiten bei Chören im Mostviertel, unter anderem beim Bezirkslehrerchor „Vocale Mostviertel“ – Edgar Wolf ist mit all dem Genannten zu verbinden und hat überall seine bedeutsamen Spuren hinterlassen, nicht nur auf CD-Aufnahmen des Chors Haag. Man erinnert sich auch gerne an dessen große Aufführungen von „Carmina Burana“, „Messias“ „Paulus“ oder Jenkins „The Mass of Peace“.

Edgar Wolf, der zukünftig als Sänger im Chor Haag aktiv bleiben wird, über sein „Abschiedskonzert“ als Dirigent: „Die ‚Schöpfung‘ bringt den inneren Reichtum des Meisters, die Größe seiner Kunst und den Grundzug einfachster Natürlichkeit in höchster Vollendung zum Ausdruck. Das Werk führte den Komponisten auch auf ganz neue Wege musikalischer Gedankenentwicklung und unübertrefflicher Erfindungskraft! Jede Arie, jedes Rezitativ, jede Chornummer der drei Teile ist in sich stimmig.“

Die „Schöpfung“ wird am 21. Mai, 20 Uhr, in der Stadtpfarrkirche Haag zur Aufführung gebracht.


NÖN Artikel zum Konzert „Die Schöpfung“ von Joseph Hadyn

Chor und Sinfonietta: Ergreifendes Klangbild zum Abschied von Wolf

Leopold Kogler

Mit Haydns „Die Schöpfung“ beendete Edgar Wolf seine Dirigentenlaufbahn beim Chor Haag.
FOTO: privat
Über fünf Jahrzehnte leitete Edgar Wolf den Chor Haag, beim Konzert am Samstag zum letzten Mal. Die Musiker und Chormitglieder verabschiedeten sich von ihm mit Applaus und „Danke Edgar“-Schriftzug. Die Leitung des Chores übernimmt nun seine Tochter Michaela Wolf.
FOTO: privat

Chor Haag und Sinfonietta Haag überzeugen zum Abschied von Edgar Wolf mit Oratorium „Die Schöpfung“ von Joseph Haydn in der Stadtpfarrkirche.

Für die musikalische Auseinandersetzung mit Natur ist Joseph Haydns bahnbrechendes Oratorium „Die Schöpfung“ aus dem Jahr 1798 modellhaft. Kaum ein anderes Werk drückt so freudestrahlend und dankbar den Lebensraum des Menschen aus. Zugleich ist es auch ein Werk, das aufzeigt, wie sich seither die Zeiten gewandelt haben. Denn die Schöpfung Gottes ist hier Anlass weder zu Demut und reumütiger Einkehr noch zu kritischer Betrachtung, sondern zu schrankenloser, der Schönheit und Zweckmäßigkeit der Welt zugewandter Lebensfreude.

Mit diesem Loblied auf die Erschaffung unserer Erde beendete Edgar Wolf seine über fünf Jahrzehnte dauernde Tätigkeit als Leiter des Chores Haag. Und es war ein aufregendes, ein wahrlich überzeugendes und ergreifendes Konzerterlebnis am Samstagabend in der vollbesetzten Stadtpfarrkirche.Der Chor Haag, die Sinfonietta Haag und die Solisten schenkten dem begeisterten Publikum zeitlos frische Musik vom Allerfeinsten mit vielen anregenden Gedanken. Einer sei herausgegriffen: Was die Zeitgenossen Haydns als humanistische Idealvorstellung in einer von unsagbarem Leid auf den Schlachtfeldern bestimmten Realität wahrnahmen, muss uns gegenwärtig bewusst sein. Der Chor, die Sinfonietta und die Sopranistin Regina Riel, der Tenor Markus Miesenberger und der Bassist Robert Holzer brachten die einfallsreiche Musik überzeugend zur Geltung. Dass dies so wunderbar gelang, ist Edgar Wolf zu verdanken. Über viele Jahre hinweg hat der begeisterte Musikvermittler mit dem Chor gearbeitet und hier mit Leidenschaft großartige Konzerte geliefert. Dieses Konzert zum Abschluss einer Dirigentenlaufbahn war schon bei der Premiere ein Volltreffer, und auch am Samstag. Stürmische Begeisterung.